27.02.12

Die Schattenseiten von Italien


Die bittere Wahrheit
Italien bedeutet nicht nur “Pizza, Pasta e Dolce vita”, sondern auch “Kämpfen, Durchhalten und Überleben”!

Leider kann ich diesmal nichts Positives berichten, die wahre Situation hier in Italien hinterlässt so ein oder anderen etwas schockiert. So sehr ich das Land auch liebe, man muss hier leider der bitteren Wahrheit ins Auge sehen und die Tatsachen aussprechen. Es existiert eben doch nicht nur das “Dolce vita” in Italien.

Um mal mit der Arbeitsplatzsicherheit anzufangen, leider ist es so, dass hier kaum feste Verträge abgeschlossen werden, dazu muss man echt ein Glückspilz sein. Entweder sind es befristete Verträge, eben ohne festes Angestelltenverhältnis oder man bekommt überhaupt keinen Vertrag, was dann Schwarzarbeit bedeutet.
Der Anteil der Schwarzarbeit in Italien ist offensichtlich sehr hoch, auch wenn die Statistik vielleicht etwas anderes aussagt. Das Problem ist, dass in der Statistik nur die hervorkommen, die auch wirklich arbeitslos gemeldet sind (das sind ungefähr genausoviele wie in Deutschland), doch da sich der größte Teil nicht arbeitslos meldet (für was auch? Der Staat gewährt einem keinerlei Unterstützung, es gibt hier keine Sozialhilfe und von Hartz IV können sie nur träumen!) ist die Statistik von Grund auf falsch.
Ein anderes Problem ist auch die Höhe des Gehalts, es ist gut möglich für die gleiche Arbeit in Deutschland in Italien viel weniger Lohn zu erhalten. Der Arbeitslohn ist hier durchschnittlich niedriger, das heißt aber nicht, dass die Lebensunterhaltungskosten auch niedriger sind, im Gegenteil, die sind vergleichbar hoch wie in Deutschland.

Ein weiterer Punkt, der einem das Leben hier erschwert, ist eindeutig die Bürokratie. Wer schon in Deutschland am Fluchen ist, sollte mal versuchen einige Zeit hier in Italien zu leben. Ich garantiere euch, ihr werdet danach keinen Mucks mehr von euch geben. ;-)
Man findet hier kein System, dazu kommt die Langsamkeit und die Kompliziertheit. Oder ist es normal, dass man in der Post jedes Mal stundenlang warten muss? Da lässt die Arbeitsmoral manchmal echt zu wünschen übrig (oder was sucht das Rote Kreuz in einer Eisdiele? ;-) ).



Ein anderer Schwerpunkt in Italien ist der Ausländeranteil, in ganz Italien gibt es ca. 4 Millionen Ausländer, davon ca. 400.000 allein in Rom. Der größte Anteil davon kommt aus Rumänien, doch leider haben sie hier nicht immer ein besseres Leben. Oder ist es richtig, dass 40 Prozent der Ausländer, die in der süditalienischen Landwirtschaft arbeiten, in Hütten ohne Strom und Wasser wohnen müssen und 30 Prozent von ihnen misshandelt werden? In kaum einem Landwirtschaftunternehmen werden Saisonarbeiter legal angestellt, womit wir dann wieder bei dem Thema der Schwarzarbeit angekommen wären.

Ich sage es mal so, das sind nur einige Schattenseiten von Italien und man sollte sich gut überlegen ob man sich damit zurechtfinden kann wenn man sich vornimmt hier zu leben. Das Leben in Italien kann wirklich schön sein, man darf sich nur nicht zu sehr auf alles versteifen und mehr dem Lebensstil der Italiener anpassen. Man muss viele Dinge akzeptieren, die man z.B. in Deutschland nicht akzeptieren würde und das ist nicht immer leicht.
Wir Deutsche neigen außerdem dazu, uns über diese Widrigkeiten des Alltags zu ärgern. Aber Italien ist nicht Deutschland: Der Alltag funktioniert anders, aber er funktioniert.

Ich hoffe nun, euch nicht ganz das Bild von bella Italia zerstört zu haben, aber ich finde, man sollte eben auch die nicht so tollen Dinge wissen und nicht so ignorant sein und die Augen vor der Wahrheit verschließen.

Kommentare:

  1. Hallo,
    ich habe über ein jahr in rom gelebt und bin seit 3 monaten wieder in deutschland. ich kann deinen aussagen nur zustimmen. trotz allem fehlt mir italien und ich würde gern zurück kehren...allerdings ist mir die soziale absicherung einfach zu wenig, was mir damals oft schlaflose nächte bereitet hat. ich könnte mir jedoch vorstellen, falls sich jemals die situation auf dem arbeitsmarkt etc. verbessert auf jeden fall wieder dort hin zu ziehen.
    ich denke, wenn jemand den wusch hat sich ein leben in italien aufzubauen, dann soll man es versuchen...sich am besten aber eine hintertür offenhalten um zurück zukehren falls es nicht funktioniert und am besten mit absolut keinen erwartungen umziehen. und das wichtigste ist: ohne kontakte geht absolut nichts!!

    lg Christina

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    1. Hallo Chrissi,
      vielen Dank fùr deinen Kommentar! :-)
      Du hast vollkommen recht mit dem was du sagst... es ist nicht einfach und man muss sich an vieles gewòhnen und vorallem viel Kraft aufbringen. Aber wie du es schon sagtest, wenn man es mòchte, dann sollte man es versuchen und es klappt auch. Ich bin mittlerweile knapp ùber 2 Jahre hier und habe nicht vor wieder nach Deutschland zurùckzukehren! Darf ich fragen, warum du nur ein Jahr geblieben bist? LG

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  2. Ja klar. Mein freund ist römer, deshalb bin ich nach rom gekommen. weil das leben aber für uns zu komploziert war, sind wir ende 2011 nach deutschland zurück. auch wenn der alltag hier wesentlich einfacher ist, fehlt mir italien wahnsinnig. ;-)

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